September 9th, 2008 · 1 Comment
In den letzten Tagen passierte nochmal mehr, als wir erwartet hatten:
Wir brachen unsere Zelte in einem Wechselspiel aus Sonne und Nieselregen ab, Cornelia pokerte richtig und gewann damit unseren morgentlichen Zweikampf, wer seine Zelt wohl trockener in die Packung kriegt.
Wir rollten die endlosen Kilometer, die selbst TomTom als Strasse verzeichnet hat, aus der Campingwelt heraus. Eine Welt die so gross ist, dass diese in Zonen von eins bis vier unterteilt ist, die bei Ankunft je nach Lage des Platzes angefahren werden muessen. Bei unserer gestrigen Ankunft hoerten wir unsere Namen schon aus dem Funkgeraet des Einweisers in der roten Weste, der uns dann freundlich an den Platz lotste. Abends kommt dann das Elektro-Taxi und bringt die Gehfaulen in die Camper-Bar, -Disco, -Turnhalle, -Fussballhalle etc. Das Animationsprogramm ist vielfaeltig und kreativ. Doch brachen nun auf zu unserer letzten Etappe, so dass der aufregend abenteuerlich klingende Animationsevent “Walking in the forest” ohne uns stattfinden musste.
Anfangs fuhren wir noch auf Radwegen, dann ab Escalus navigierte ich etwas verzweifelt auf eine Schotterpiste, die uns hier als einzige Alternative zur viel befahrenen Hauptstrasse auf Kurs Richtung Dax hielt. Dieses wilde Geholper kurz vorm Ziel auf der rauhen Unterhaltspiste einer Hochspannungsleitung war das letzte Abenteuer was wir jetzt noch brauchten. Mit Schrecken rief sich bei mir der sich in der Aufloesung befindliche Reifen des Gepaeckanhaengers in Erinnerung. Vergeblich versuchte ich diesen Reifen ersetzt zu kriegen, doch die Sondergroesse 20 PLUS 1 3/8″ fuehrt kein Radgeschaeft in Frankreich. Kurzum, es ging gut. Dennoch verzichteten wir auf weitere 20km Steinflug, auch unsere Reisegeschwindigkeit fiel hier rapide auf 12 km/h ab, zugunsten der Schnellstrasse, auf der wir mit der doppelten Geschwindigkeit zu einer Speisung flogen, die wir nicht so schnell vergessen werden.
In Magesq liessen wir uns verleiten, waren der Suche nach Supermarkt und Schattenplatz muede und setzten uns einfach in die Dorfkneipe. Ein Erlebnis. Das Personal unterliess jede Form der Freundlichkeit, die Waescheberge tuermten sich in der Gaststaette und bedient wurden wir lange Zeit nicht. Beim Essen verstanden: die konzentrieren sich aufs Wesentliche, keine Geschwaenzel, kein Geschwaetz, dafuer ein Mahl das nach Adjektiven ringt und von mir doch nur hilflos mit einzigartig, fulminvat, bravouroes, genial, ein Gedicht, in Worte gegossen werden kann. Schon beim ersten Schnitt als das Messer ins medium Entrecote glitt, die Gabel in das spritzige Gaumengold stoch, stellten meine Geschmacksnerven auf Empfang und wurden zu einen ekstatischen Freudentanz entfacht. Es war herrlich. Sicherlich war meine Begeisterung auch beguenstigt durch unsere gewohnt fleischlose Kost, die vor allem aus einem bestand: Nudeln, Nudeln und Nudeln.
Nach so einem Sinnesfeuerwerk mussten wir die Zaehne noch ein letztes Mal zusammenbeissen, um im Verkehr in Frankreichs zweitbedeutesten Kurort Dax zu fahren. Beim Anblick des verdreckten Sees und den Hotelkloetzen moechten wir keinen weiteren Kurort mehr sehen. Erstes Ziel war der Bahnhof zur Gestaltung der Rueckreise. Die herumhaengenden Besoffenen in weisser Kleidung mit rotem Stierkampfhalstuch liessen nichts Gutes erahnen. Die Feria de Dax, ein Trinkfest so bedeutungsschwer wie das Oktoberfest, zieht viel Volk an, und das muss An- und Abreisen. Der nette aber hilflose SNCF-Verkaeufer schlug die Haende ueber dem Kopf zusammen: “Was soll ich tun, was soll ich tun, alles ausgebucht, Dax-Genf fuer die naechsten zwei Wochen, Sie wissen, Feria de Dax!”
Sein Kollege pflichtet ihm bei, ja Fahrraeder, das ist immer schwierig! Da haben wir’s, was wir uns immer dachten: Zurich-Dax mit dem Velo, ein kleiner Schritt fuer uns, ein grosser Schritt fuer die Eisenbahn. Doch fliegen mit unserem Zeug, hoechstens mit einer Transall…
Naja, der Mann schwitzte ein wenig, fand dann aber eine Loesung, die ich Angela und Cornelia erst noch unterbreiten musste: “heute geht nix mehr, aber dann morgen Mitternacht, juhu!, nach Paris, Velostadtrundfahrt von Gare de Austerlitz nach Gare de l’Est, Stuermung des TGVs mit unserem bescheidenen Handgepaeck und ab nach Zurich.” Also Spannung bis zum Schluss.
Es ging, weil es musste, und es ging erstaunlich gut, vorerst. Wir eines ruhigen Campingplatzes, jedes freie Stueck Wiese war belegt, Zelten, Besoffenen und Koerperausfluessen, aber auf dem Campingplatz waren wir davor sicher und kamen in den Genuss eines letzten ausgedehnten Ruhetags vor allem zur Begeisterung Juris mit Pool.

Wir sahen auch noch die Stadt, die man nicht gesehen haben muss, und machten uns dan zu spaeter Stunde auf zur Abfahrt. Ein guter Mann am Campingplatz, der mit seinen Begleitern einer Zeitmaschine entstiegen schien und Urlaub wie >Herr Tati< in den 20ern machte, verabschiedete uns herzlich und gab uns Erdnuesse und eine entsetzliche Troete fuer Juri mit auf den Weg. Wir hatten etwas Muehe das Troetenverbot im Nachtzug durchzusetzen.

Eine Stunde vor Zugabfahrt standen wir bereit, ich gewann gerade noch rechtzeitig den Kampf gegen eine rostige Schraube, so dass wir unseren Convoi Exceptionel erfolgreich in den Nachtzug pferchen konnten, die Horizontale war schnell genutzt, die Vertikale sehr hilfreich.

Um 7h morgens in Paris dann alles rueckwaerts wieder aufgebaut und wir rollten siegestrunken an der Seine entlang zur Notre Dame Kathedrale. Etwas seltsam schon so exotisch diese Stadt zu bereisen, doch der Tag war noch jung, und des Buergermeister Ziel, Paris zur Fahrradmetropole zu gestalten, zeigt erste Fruechte: abgeflachte Bordsteine, freigegebene Busspuren fuer Velos, umgeben von Geschaeftsleuten in Anzuegen auf den futuristische >Velo Libre< Leihraedern, erfreulich unerwartet.
Dann das: Juri kruemmte sich vor Schmerz auf seinem Fahrrad, konnte nicht mehr Sitzen noch Stehen, schrie auf. Im Anhaenger kam er etwas zur Ruhe - wir sahen uns ratlos an. Im Cafe direkt am Ziel, Gare de l’Est, in 2h Zugabfahrt, in 4,5 weiteren Stunden, die Heimat vor Augen…wir schafften es nicht. Angela stiegen Traenen in die Augen, sie fluesterte “Leistenbruch”, jetzt musste alles schnell. Erstmal die Fahrraeder los werden. Doch dafuer ist eine Stadt nicht gebaut. Hotels gab es viele, aber die wollten keine Velos. Beim dritten Anlauf die Rettung. Ein Hinterhof, mit Baustellenlaerm, es staubte, Steine flogen, aber etwas Platz im Wendebereich des Gabelstablers. Der Libanese war freundlich erzaehlte mir stolz, wir seien die ersten Gaest nach dem Umbau, mir egal, keine Zeit, Zimmer ueber dem Sexkino genommen.
Lola rennt, Cornelia muss in 30min zum Zug nach Stuttgart, sie haelt Lenya und schiebt mit mir unseren Konvoi zum Libanesen, dem etwas mulmig wird, als er sieht, wie gross meine zuvor bescheiden geschilderten “deux velos”. Der Gabelstaplerfahrer ist erfahren rast im Zentimeterabstand dran vorbei, egal, keine Zeit. Wir raeumen das Cafe, Blitzabschied von Cornelia, Traenendruesen gespannt, keine Zeit, Wege trennen sich, Taxi, “lospital pur ofos”, endlich da.
Juri beruhigt sich, wie der Banlieu entstiegen, verschwitzt, verschmutzt, uebermuedet, mit blau-weiss-roter Netztasche begruessen wir den Arzt. Ein guter Mann, mit zwei Riesengehilfen, die Tueren schliessen, Angela ist drinnen bei ihm, ich mit Lenya draussen, Juris entsetzliche Schreie dringen durch die Schalldichte Tuer. Alles gut, kein Leistenbruch, wir warten lang, dann wissen wir Bescheid, nichts, was man sofort operieren muesste.

Wir liegen im Hotelzimmer rum, durch die Belueftung dringen Laute aus dem Sexkino, was haben wir Gluecke gehabt, dass uns das nicht in der gruenen Landschaft passiert ist, was fuer ein Pech, dass es nicht einfach ein paar Stunden spaeter in Zurich losging. Nein, schon Glueck gehabt.
Wir wirken skurril und exotisch am Hochgeschwindigkeitsbahnhof Gare de l’Est, durch den sich Reisende mit leichten Rollkoffern wusseln. Fortschritt, Wichtigtuerei und Rueckschritt, erst 20 Minuten vor Abfahrt wird das Gleis bekannt gegeben, obwohl das doch taeglich dasselbe ist. Wir muessen schnell im Zusammenfalten, der Schaffner hat Angst, seine Hinweis auf die aberwitzigen Gepaeckfaecher wirkt angesichts unseres 130l Sacks kafkaesk. Es geht, ohne Sturheit geht es immer, wir sind drin und fliegen mit 300 km/h nach Zurich. Genau wie fliegen, dafuer verfiel auch gestern unser Ticket und brauchten fuer heute ein weiteres, vielleicht erweicht unsere Geschichte aber noch die SNCF-Beschwerdestelle.
Zurich, ein letztes Mal alles aufsatteln. Unsere untervermietete Wohnung konnte ich auf der Fahrt schon per SMS freiraeumen, also keine weiteres Campieren um Zurich bis zum 31. August.
Angela und ich warten noch auf den Zuricher Polizisten, der uns Fahrt mit unserem illegalen Velozug verbieten will, denn “erlaubt ist, was nicht stoert”. Wir stoeren anscheinend sehr den Feiertagsverkehr, Hupen, dichtes Vorbeifahren, wir sind wieder in der friedlichen Schweiz, von allen Kriegen verschont, ausser dem auf der Strasse. Der Polizist kommt nicht.
Die letzte Steigung, allzu bekannt, dann stehen wir vorm Haus und fuehlen uns herzlich willkommen zurueck zuhause. Lieben Dank, liebe Nachbarn fuer diesen herzlichen Empfang! Danke auch Euch lieben Lesern, war uns eine Freude, Euch mit dabei gehabt zu haben auf den letzten 49 Tagen.
Wenn Ihr Euren Empfindungen Ausdruck verleihen wollt, einfach Registrieren , Anmelden und die Artikel kommentiere - wir wuerden uns freuen.
Tags: Allgemein
Die Bucht von Arcachon ist bekannt fuer die Austernzucht. Warum eigentlich, geht doch viel einfacher: man nehme eine muschelfoermige Seifenschale, gebe fluessiges Eiweiss und Salz hinzu, dicke nach Geschmack noch etwas mit Mehl an und fertig ist die Auster. Nein wirklich, wir haben nicht verstanden, was der Zauber an diesem leicht salzig, sonst geschmacklosem Zeug sein soll, dann doch lieber Scampi oder Langusten. Die Wasserschnecken sind auch eigenartig, komischerweise werden keine Regenwuermer gekaut hier.
Wir fuhren also weiter, den Nordzipfel der Gironde-Halbinsel, abgegrenz von Meer und dem Fluss Gironde nord-westlich von Bordeaux. Auch wenn es in keinem Reisefuehrer vermerkt ist, das Radwegenetz umgewandelter Eisenbahnlinien ist, denke ich, weltweit einzigartig. In Summe sicher einige hundertkilometer 1,5m breite Teerstrassen nur fuer Radfahrer. Genutzt vielfach als Strandzubringer von den Campingplaetzen, erkennbar an den billigen Fahrraedern sonst eigentlich kaum vermittelbarer Qualitaet.
Wir rollten nur wenig weit zu einer langen Badepause am Lac Hourtin, wir dehnten die kurzweilige Zeit gleich bis zum Nachtlager aus. Der See ist so flach, dass Juri allein umherspringen konnte, Lenya freute sich darueber, ihre Fuesse im Sand zu vergraben und wieder zu finden. Angela, Cornelia und ich genossen die Sonne. Doch mit der Sonne war das so eine Sache, immer wieder mussten wir grosse Wolken mit vereinter Gedankenkraft auf die Seite schieben.
Nach diesem faulen Tag und einer Nacht auf einem gratis Campingplatz, ja wo gibt’s denn sowas sonst noch?, beschlossen wir alle, endlich mal wieder Gas zu geben. Ein breiter Forstweg, ohne all die Radfahrer in beide Richtungen, gab uns die beste Gelegenheit davon zu brausen. Nach drei Tagen Fahrt durch Pinienwaelder war uns die Gestalt dieser Baeume bald bestens vertraut und hatten langsam genug davon. Als uns dann Montalivet-les-Bains auch noch mit kilometerlangen Palisadenzaeunen zur Abgrenzung eines Nudistencamps begruesste vermissten wir Schoenheit. Wir machten noch eine kurze Rast am Strand, doch ein Strand bei Regen ist leider so wenig berauschend wie ein Hallenbad bei Sommerhitze. Wir beschlossen nun, unser Gironde-Abenteuer abzubrechen, zu wenden, und nun endgueltig Richtung Heimat zu fahren, also zum Bahnhof in Dax im franzoesischem Baskenland.
Wir fuhren nun durch die Rebstoecke des Medoc, ein huebscher Kontrast zum touristischen Strand und der Pinienwaldlandschaft zuvor. Unser Laune stieg wieder, durch unsere Ostfahrt hatten wir auch endlich mal Rueckenwind. Andererseits hielt das nun wirklich schlechte Wetter mit geschlossener Wolkendecke, wechselhaftem Regen, sinkenden Temperaturen, Platzregen in der Nacht unsere Laune in Schach. Das Wetter ist der bestimmende Faktor. Es beeinflusst unsere Stimmung und Wohlbefinden, damit unsere Geschwindigkeit, Pausen, truebt oder erhellt die Wahrnehmung und bestimmt zuguterletzt den Zustand unserer Bekleidung. Und der war bald schlecht. Natuerlich wuschen wir unsere Kleidung aus, als das Wetter schlechter wurde. Bald drei Tage lang kam sie nicht uebers halbfeucht sein hinaus und wurde nachts an der Leine wieder frisch durch gespuelt. So half nur eine ausgedehnte Pause im Waschsalon, aber das Wetter blieb. Entsetzt schuettelte sich spaeter ein alter Mann und meinte, seit 30 Jahren haette er sowas noch nicht erlebt, wir waren bei 16C, und er entsetzte sich geradezu ueber das saftig gruene Gras unter seinen Fuessen, das zu dieser Jahreszeit eigentlich braun sein sollte.
Keiner von uns wollte es aussprechen, aber die Fahrt wurde eher zur Pflicht und die Heimat kam in Gedanken naeher. Jetzt fuhren wir auch noch 20km Abschnitte schnurgerade durch den, genau, wieder Pinienwald. Die Autos krachten an uns vorbei und verloren sich am Horizont. Unsere Sinne weideten sich am Belanglosen: ein Knick in der Strasse, eine Feldwegabzweigung, ein Kilometerstein, ein Verkehrsschild. Ich mied die Kilometeranzeige auf dem Tacho, es war zaeh genug. Ueber die Zeit hat sich bei mir fuer solche Abschnitte die Strategie des Abwartens bewaehrt: unsere Geschwindigkeit lag konstant bei 20 km/h, eine herrliche Gelegenheit, den Geist abzulenken und zu errechnen, dass wir damit 5km in 15 Minuten zurueck legten, eine akzeptable Warteeinheit. So konnte ich mich auf Uhrzeiten fixieren, die mich meine Anstrengungen zur Fahrtauferhaltung vergessen liessen und dafuer das Gefuehl gaben, den unseligen Abschnitt einfach abzuwarten, damit also eher passiv zu ertragen als aktiv zu erleiden. So fuhren und “warteten” wir jeder fuer sich vor uns hin, derweil Juri - zur Nervenprobe fuer Angela - bekannte Dialoge ueber Motorrad, Feuerwehr und Waldarbeiter zu wiederholen versuchte.
Nachts schuettete aus allen Wolken, wir traeumten wohl alle von Arche Noah und Sinflut, durch sorgte dieser Wolkenbruch nun endlich fuer Klaerung. Auch waren die Durchmesslinien durch die endlosen Waelder der Gascogne “abgewartet”, so dass unser Laune in den ersten vereinzelten Sonnenstrahlen in Mimizan wieder stieg und ich somit nach einer laengeren Pause der geistigen Ruhe diese Zeilen verfassen konnte.
Tags: Allgemein
Wir blieben insgesamt drei Tage an unserem Platz bei Petit Nice. Es war schon irgendwie grotesk, die Blechlawine morgens und abends in Bewegung und die Massen am Strand sich tuermen zu sehen, aber wir nur wenige 100m abseits hatten immer unsere Ruhe. Wie in einem Bilderbuch von Ali Mitgutsch hatten wir fast einen externen Beobachterposten, sahen die Beachboys ihren Bademeister Turm auf und abbauen, erkannten die Gewohnheiten einiger markanter Badegaeste, wie z.B. der von Angela benannte Picasso, der jeden Tag zurgleichen Zeit kam, sich grillte und dann wieder ging. Es war witzig, drei Tage am gleichen Ort waren wir noch nie. Doch so schoen es auch war, wir haben uns so sehr an den steten Wechsel gewohnt, dass uns einzelne Orte nicht mehr genug geben konnten.
Zwischenzeitlich ist nun noch meine Schwester Cornelia angereist, so dass wir nun zu fuenft eine voellig neue Phase des Urlaubs erfahren koennen, das “cruisen” ohne festes Ziel. Ich empfing sie mit Lenya am Bahnhof von La Teste, von wo aus wir zuerstmal einen Fussmarsch zum Outdoor-Discounter Decathlon unternahmen. Da man ihr bei der Deutschen Bahn keine zumutbare Zugverbindung mit Fahrradtransport ermitteln konnte, “allmaechd, also wenn i mir des so oschau, also ich deds mer net zutraun”, meinte die Schalterfrau, gingen wir nun einkaufen. Ein Fahrrad, ein Zelt und ein paar Kleinigkeiten. Die Qualitaet bei Decathlon ist mittelmaessig bis schlecht, aber brauchbar, die Preise sind mir ein Raetsel: 129€ fuer ein Fahrrad, 19€ fuer ein Zelt - da frag ich mich, warums auf der Welt Leute ohne Obdach geben muss.
Juri freute sich, dass er nun seine Wieso-Weshalb-Warum-Welterkundung mit Cornelia neu aufsetzen und ihre Antworten mit den unsrigen vergleichen kann: warum die Motoradfahrer Helme tragen, warum die Dinosaurier gestorben sind, ob sich die Lisa freut, wenn er so schnell treten kann. Ausserdem hat er von Cornelia eine echte Motoradbrille und noch einen Motoradfahrer zum Aufziehen bekommen, das Schicksal nimmt seinen Lauf. Lenya kann Cornelia neu anlachen und wir freuen uns ebenfalls auf weitere Unterhaltung und unterstuetzende Haende.
Wir fuhren etwas chaotisch nach Arcachon, eine schreckliche Fahrt, viel Verkehr, nervige Strassenfuehrung, schlechtes Wetter, ein Tag zum Streichen bis auf das Bootserlebnis. Es gibt diese Touristenboote ueber die Bucht und die nehmen auch Fahrraeder mit. Ich kaufte die Tickets und musste beim Blick der Kassiererin auf unsere “Konvoi Exceptionel” gleich fuer fuenf Fahrraeder loesen, meinetwegen. Wir rollten den schmalen Steg vor und sahen das Schiff nicht, weil es nur ein kleines Boot war, 49 Passagiere, dazu hatte noch beinahe jeder Pasagier ein Fahrrad und wir waren die letzten. Egal, der Kontrolleur entwerte unsere Tickets, ich wertete das als letzte Pruefung und wurde im Eifer fast von den beiden Anhaengern auf der steilen Rampe runter zum Boot,- es war Ebbe, ueberrollt. Gluecklicherweise erkannten der Kontrolleur oben und der Kapitaen unten die Situation schnell und konnten mich vor meinem unheilvollen Schicksal bewahren. Jeder Griff sass. Angela, die von Beginn an kopfschuettelnd umdrehen wollte, hatte ihr und Juris Rad, der Kapitaen wusste die geeignete Plaetze fuer unsere Gefaehrtkolosse und ueber das Schiff raunte anerkennend “de Zurich, de Zurich…”. Unglaublich, das Boot fuhr mit uns all unserem Hab und Gut los, besonders Juri strahlte ueber beide Ohren. Bald sahen wir die gigantische Duene von Pilat, die wir Stunden zuvor noch bestiegen hatten.
Am Cap Ferret waren wir dann Blickfang aller Touristen, die sich durchs Hafenbecken schoben. Nach einer unnoetigen Fahrt auf befahrener Strasse gelangten wir endlich auf den, zu unserem Erstaunen ebenfals ueberaus stark befahrenen Radweg. Stelltenweise gab es Radlerstau,viele Velos beladen mit Surfbrettern und Bodyboards.
Die Radwege sind fuer das Verkehrsaufkommen eigentlich zu schmal, insgesamt sind sie aber fantastisch wie sie sich durch die Pinienwaelder ziehen. Nach langsamer Fahrt, wir sind ja jetzt beim Cruisen und Juri radelt groesstenteils selbst, und zwei Uebernachtungen an Strandparkplaetzen sind wir heute am Lac Lacanau angekommen. Nach den riesigen Wellen vom Meer war uns nach Abwechslung von einem Suesswassersee. Leider ist es im Moment nicht ganz so heiss wie wir es uns wuenschen. Heute Nacht verbringen wir nach den Parkplaetzen, die Wohnmobile herzlich empfangen, Zelte aber zum Schutze der Umwelt verbieten (aber gluecklichweise kontrolliert niemand), wieder in freier Natur im Pinienwald, wo die Grillen zirpen, die Voegel zwitschern und die Sterne hell und klar leuchten.
Tags: Allgemein
August 5th, 2008 · 1 Comment
Endlich rollte unser Velozug verdientermassen auf einer Eisenbahntrassee. Ja, eine wirkliche fantastische Idee, aufgegebene Bahnstrecken in Radwege umzuwandeln. Insgesamt standen uns 80km (!!!) komplett frei von jeglichem Verkehr, abseits in der freien Natur und praktisch ebenerdig zu Verfuegung. Wie verfluchen wir sonst den lauten Strassenverkehr, schnaubende Lastwagenbremsen, gedrosselte PKW-Motoren, die bei scharfen Ueberholvorgaengen aufheulen. Wie verfluchen wir aber auch die vielleicht gutgemeinten, in der Praxis aber voellig bescheuerten Radwege, die mal links, dann wieder rechts von der Strasse verlaufen, Bordstein rauf, Borstein runter, dann fehlt wieder ein Wegweiser und man geht verloren, oder stellt fest, dass man vom Verkehr zwar abgeleitet, dafuer aber die Doppeltedistanz zurueckgelegt hat oder quaelt sich an steilen Kurzaufstiegen gemaess der Maxime, dass die schwaechsten Verkehrsteilnehmer die groesste Leistung vollbringen muessen.
Hier aber, nichts von alledem. Wir fanden uns vielmehr in einer realen Utopie, in der man fast lautlos und sanft durch Muskelkraft dahin gleiten. Kein Gestank, nur ein leises Surren der Reifen. Es war fast surreal als sich immer wieder ein Radler am Horizont abzeichnete, die Konturen schaerfer wurden, und er nach vielicht 10 Minuten auf seinem Raumgleiter an uns vorbeiflog. In meiner Vorstellung sah ich Fahrradtanklastzuege, -sattelschlepper und -muldenkipper. Doch Juri, unser ambitionierter Motorradfan, rief uns mit seinen lauten Motorengeraeuschen in Erinnerung, dass der allgmeine Reiz doch ganz woanders liegt. Leider.
Nun der radweg Bazas-Mios ist wirklich ein Traum, eine einzigartige Veloautobahn und dabei noch sehr wenig genutzt. Lenya genoss einen grossen Teil der Fahrt im Sitz bei Angela, Juri wollte sich sowieso nicht mehr einspannen lassen und legte somit 15km komplett aus eigener Kraft in freier Fahrt zurueck.
Der Duft von Pinien lag in der Luft und unsere Seelen waren nicht mehr weit.
Wir liessen es fuer heute gut sein und richteten uns nach 60km Fahrt direkt am Wegrand fuer die Nacht ein. Es gab keine Fliegen, die Nacht war klar, der Duschsack gefuellt, perfekt? - naja fast, die Sitzbank fehlte aber schoen war es trotzdem.
Dann heute endlich der grosse Tag, alle Zeichen auf Meer, nur noch 20km in die Bucht von Arcachon. Der Radweg verschwand und wir fuhren auf einer unbelebten Strassen Richtung Bucht. Noch kurz vor dem Ziel waren die Haeuser eher aermlich, nicht gerade schoen, andererseits herrlich banal und nicht auf Touristenhochburg getrimmt wie in anderen Meeresregionen. Ueberrascht haben uns auch die vielen und wirklich passablen Radwege die uns noch naeher an die Bucht brachten. Alle summten wir eigene Freudeshymnen und machten uns bereit fuer den ersten Blick aufs Meer. Der blieb uns zunaechst lange verwehrt, da wir bisher ca. 15 Einwohner/km2 gewohnt waren und mit einem Mal in einer Region mit 1500 Einwohnern/km2 Land und Sauerstoff teilen mussten. Juri war gespannt wie Drahtseile und stiess Freudenschreie aus, die jedoch jaeh verstummten als wir im Austernhafen von Larros endlich aufs Wasser blicken wollten: Ebbe!
Traurig lagen die Fischerboote im matschigen Grund, braune Rinnsaale zeigten wo das Wasser fehlte. Juri war geschockt.
Es half nichts, wir fuhren weiter, kuerzten grosszuegig ab, die Straende konnten wir uns fuer die naechsten Stunden ja erstmal sparen. Stattdessen ruesteten wir uns im Decathlon-Sportmarkt aus. Es gab alles und vieles Nettes, nur was wir eigentlich brauchten, reines Waschbenzin fuer den Kocher, gab es nicht. Dafuer bekam Lenya einen Badeanzug, Juri eine Schwimmweste, die Zeit verging rasend schnell im ganz und gar nicht urlaubseingestimmten Industrieviertel von La Teste.
Nun steuerten wir das offene Meer an, Juri viel vor Muedigkeit fast vom Rad, aber Angela konnte ihn bei Stange halten, indem sie ihm immer bildlich vor Augen fuehrte, das 5km nur noch soviel wie von der Weimersheim Oma zur Tante Vio waeren und und…
Leider wurde es noch viel laenger. Die schoene Touristenattraktion Dune du Pila, die gigantische 115m hohe Wanderduene stellte sich uns einfach in den Weg und das fuenf weitere Kilometer. Es ging bergauf, natuerlich auch noch Gegenwind. Ich war ausgezehrt, verfluchte das Meer. Waren wir zwar hohe Berge geradelt, doch “Leistung faengt im Kopf an” sagt der Extremsportler Hubert Schwarz und “hoert im Kopf auf” moechte ich ergaenzen, setzten uns diese voellig absurden Anstiege einer Wanderduene, wo gibt’s denn sowas!?, fast ein Ende.
Doch dann, endlich Plage Petit Nice, Autos kriechen unaufhoerlich aus dem endlos riesigen Parkplatzlabyrinth, nichts wie rein - entgegen der Schneckenausfahrtsstrasse, so sparten wir einen weiteren Anstieg und sahen nun endlich, endlich, endlich, endlich die Sonnenstrahlen im Meereswasser funkeln.
Als waere soeben der Schankbetrieb beim Oktoberfest eingestellt worden stroemten uns unaufhoerlich Menschenmassen entgegen, die dafuer eine wunderbare Kulisse fuer unser Zieleinfahrtsfotoshooting bildeten. Ja, wir haben es geschafft: 1350km in 116h im Sattel mit durchschnittlich 14km/h (bitte Nachrechnen ob das stimmen kann) von Zurich an den Atlantik.
Juri erwacht wieder zu Leben, springt mit mir in die Wellen, Lenya schluckt begeistert den feinen Sand wie Schoggi-Pulver, und Angela und ich sind einfach nur froh und stolz, dass wir es geschafft haben: Lenya hat tapfer durchgehalten, brav im Anhaenger gewartet bis wir abfahrtbereit waren, Sonne und Hitze getrotzt, und immer wieder friedlich geschlafen, gelacht und ihre Stimme trainiert. Juri hat sich an den Atlantik durchgefragt, viel ueber die Welt gelernt und seine Beine trainiert. Angela hat nicht nur sich selbst, sondern auch Juri erfolgreich an den Atlantik balanciert. Hat dabei unendliche Warumfragen beantwortet, rundum die Uhr Trost gespendet, Geschichten erzaehlt, getreten, geschwitzt und gestrampelt. Wir alle haben gelitten, haben Berge versetzt, Ebenen durchschritten, Winden, Regen und Hagel getrotzt und jetzt sind wir bei Dir, Meer (geklaut und abgewandelt von “Juli”). Und das beste: 8 Wochen haben wir uns gegeben, in 5 haben wirs nun geschafft. Damit bleibt uns nun noch reichlich Zeit, die Kueste auf und ab zu cruisen.
Der Abend vergeht schnell. Wir sitzen gemuetlich beim Essen, als die Sonne den Strand, die Duene und uns in goldenes Abendlicht taucht. Wir sind immer gen Westen gefahren und haben damit die Zeit aufgehalten: als die Sonne verschwand war es bereits 21h, erst um halb elf bricht hier die Nacht herein.
Nun muss alles schnell gehen. Juri und Lenya haengen in den Seilen. Das Zelt ist schnell aufgerichtet im Pinienwald und die Sterne breiten sich schuetzend ueber uns aus.
Wir haben unsere Seelen eingeholt; sie haben sich einen guten Platz ausgesucht.
Tags: Allgemein
Juri hatte sich so an den Pool vom Camping-Platz gewoehnt, dass er am naechsten Morgen vor der Abfahrt unbedingt noch einmal reinhuepfen wollte. Es war wirklich wieder so heiss, dass wir alle nochmal gingen. Dementsprechend kamen wir erst nach 12h los, fast eine Dummheit bei der Hitze.
Wir fuhren noch ein letztes Stueck am Lot entlang, als wir dann eine gammlige Stadt hinter Fumel durchfuhren, ununterscheidbar von einer Favella im Nordosten Brasiliens, und uns in den Weiten des Hinterlandes fanden. Die Landschaft war belanglos, nicht haesslich, aber auch nicht gerade bemerkenswert. Es gab einfach keine Hoehepunkte, kein Ziel, das machte die Fahrt muehsam und schwerfaellig. Eskimos kommen mit Eiseskaelte wunderbar zurecht, koennen sich aber furchtbar im Nasskalt um die Nullgradgrenze in Kopenhagen erkaelten. So ging es uns, waehrend die vergleichsweise langen Anstiege im Massif Central berechenbar waren, zermuerbte uns das endlose Auf und Ab beinahe. Dazu war es knallig heiss, kein Ort, sofern ueberhaupt welche kamen, lud zum Verweilen ein. Das Land ist schrecklich zersiedelt, schnell gewachsene Schmalbudgetvillen mit grossen Gaerten verschwenden viel Flaeche und lassen keine schoenen Ortszentren zu. Die Fahrt war genial, um unsere auf Hochgenuss eingestellten Gemueter wieder reinzuwaschen und auf Normalnull zu kallibrieren. Egal, wie ich mich auslasse, all den Belgiern, Hollaendern und Englaendern scheints immer noch schoen genug zu sein, sie sind weiterhin fleissig unterwegs.
Ich bin am Ende, von der Sonne weichgekocht, von den Huegeln aufgearbeitet, lege ich mich im naechsten Schatten auf den Boden. Ich pumpe mich mit Sirup vol, verschlinge Muesliriegel und der Motor springt noch einmal an. Wir schleppen uns noch nach Cancon, verfluchen den im Tal gelegenen Campingplaetz, finden dann aber in den letzten Abendsonnenstrahlen am Pool wieder zurueck in die Urlaubsstimmung.
Wir haben den ganzen Tag so geschwitzt, dass wir beschliessen, heute die Nacht mal nur im Innenzelt als Fliegenschutz ohne Aussenzelt zu verbringen. Erst war es angenehm, dann erwies es sich als schwerwiegender Fehler. Wir hatten gegen goldene Zelterregel verstossen, immer gegen Regen gewappnet zu sein! Ich erwachte also spaet nachts und vernahm dieses leise grossflaechige feine Rascheln. Verflucht! Angela sammelte schnell die Kleidung von der Leine ein, und ich lernte, dass es moeglich war, das Aussenzelt auch nachtraeglich uebers Innenzelt werfen zu koennen. Unsere First-Class Gaeste bekamn von alledem nichts mit. Nun, haetten wir auch so fest geschlafen, wir haetten auch nichts gemerkt, denn der Regen verschwand sehr bald wieder. Aber wir wurden mal wieder daran erinnert, nicht mit der goldene Regel zu brechen, Verstoesse gehen nur bei absoluter Windstille und wolkenfreiem Himmel straffrei aus.
Fuer den naechsten Morgen stelte ich den Wecker auf 7 Uhr. Wir wollten nicht laenger Anschauungsobjekte einer aussterbende Gattung fuer die Containerbewohner sein und brachen seit langem mal wieder vor 10 Uhr auf. Trotz aller Routine brauchen wir eineinhalb bis zwei Stunden zum Zusamenpacken.
Stefan, der als Radiologe schon schon viele Gehirne besichtigt hat, sagt die Seele reise mit 80km/h. Das koennte also Grund dafuer sein, dass wir uns alle nach langen Autofahrten, Zug- und Flugreisen etwas daneben fuehlen, die Seele ist noch unterwegs. Bei uns ist es andersherum: unsere Seelen baden schon lange in der Bucht von Arcachon. Und nun rufen die Seelen ihre Koerper zu sich. Deshalb wollten wir heute Gas geben.
Keine Sonne, bedeckter Himmel, was fuer eine Wohltat. Es lief besser als gestern. Die Schmalspurvillen wandelten sich in Bauernhoefe, Strohlballen saeumten den Weg. Wir fanden wieder kleine Strassen und das einzige Motorengeraeusch weit und breit kam wieder von Juris Lippen. Wir waren wieder froh, beneideten aber ein wenig unsere badenden Seelen.
Die Mittagspause war kurios. Das Dorf Verteuil war so klein und abgeschieden, das auch die letzte Bar zu gemacht hatte. Kurioserweise uebernahm nun der Supermarkt die Funktion dadurch dass am Eingang Stuehle und Tische zu freien Verwendung standen. Also ein Selbstbedienungsrestaurant mit Ladenregalen, absolut nachahmenswert. Ich habe ja schon desoefteren darauf verwiesen: nach Waser ist Sitzen am Tisch der groesste Luxus, den es gibt!
Wir drueckten fleissig weiter auf die Tube und da war sie dann endlich, die Ueberfahrt der Garonne, vom Meer nur noch 150km entfernt!
Wir freuten uns riesig, neben der maeandernden Garonne den geradlinigen Kanal mit geteertem Radweg zu finden. Endlich konnten wir Juri wieder frei lassen, wenngleich es fuer Angela eine staendige Zitterpartie war, den kleinen Rennmotoradfahrer auf der Piste zu halten, statt ihn abgelenkt in den Kanal rollen zu sehen…
Lenya genoss dann auch noch gutes Stueck im Sitz bei Mama hinterm Lenker, dass ich mir mit meinen leblosen Anhaengern bald einsam vorkam. Es war eine schoene Fahrt, und dazu wie ein Stueck Autobahn fuer uns, 20km in einer Stunde!
Gleichzeitig konnten wir uns nicht vorstellen wie man mehrere Tage auf so einem Hausboot aushalten kann, das mit 12km/h dahintuckert, an Schleussen haltmacht und noch dazu immerzu in dem alleenartig bewachsenen Kanal gefangen bleibt.
Schoen wars, aber ich bin froh als wieder Abwechslung kommt. Auf dem Zahnfleisch kriechen wir wieder ueber Huegel. Mais, Kartoffeln, Nussplantagen und Weinbau lassen uns keinen Platz zum Zelten. Wenigsten koennen wir unsere Wassernoete loesen. Ich bin froh, dem netten Man unsere Flaschen ueber den Zaun reichen zu koennen ohne ihm durch seine hundeverseuchtes Grundstueck folgen zu muessen. Noch ein paar Muesliriegel weiter werden wir dann mit einem schoenen von Hecken eingesaeumten flachen Stueck Wiese belohnt. Alles gut.
Es geht immer noch auf und ab, an fast jedem Haus jagen uns die Hunde nach, zum Glueck immer getrennt von einem Zaun. Etwas Zittern ist es dann aber doch immer, zu sehen, ob der Besitzer das Tor auch tatsaechlich geschlossen hat. Wir fahren bergauf, da stehen auf freier Strasse ploetzlich drei bellende Hunde vor uns. Sie laufen auf uns zu. Nun ist es soweit. Fuer solche Faelle greife ich zu meinem Anti-Dog Spray am Lenker und halte es schussbereit wie der Raeuber Hotzenplotz seine Pfefferpistole in der Hand. Juri lacht panisch vor Angst, Lenya schlaeft, Angela faehrt vor mir. Immer wieder umgeben die Hunde mich, zwei links, einer rechts, dann wieder umgekehrt, mir schiesst Adrenalin ins Blut. Ich halte das Pfefferspray hoch in der Luft. Juri haette es spannend gefunden. ich vermeide es aber abzudruecken, wuerden sie dann noch wilder, wie truefe ich allen Dreien auch moeglichst gleichzeitig ins Auge? Nach langen Schreckminuten verziehen sich die Koeter, eigentlich haette man sie verdreschen sollen und den Besitzer gleich mit!
Wir sind wieder fuer uns, noch viele Hunde aber alle hinterm Zaun. Die Zwinger sind neben aufblasbarem Pool fast ein Statussymbol, “Attention aux chien”. Da werde ich von einem “Pling!” aus meinen Gedanken gerissen. So verbringe ich den groessten Teil der Mittagspause damit, die gebrochene Speiche an meinem Hinterrad zu ersetzen, bei der Gelegenheit tausche ich dann auch gerade den abgefahrenen Hinterreifen mit dem Vorderreifen.
Wir fahren weiter bis wir dem wuchtigen Burgschloss Roquetellaide gegenueber stehen. Vor allem Juri zuliebe schliessen wir uns auch einer Fuehrung an. Die Einrichtung ist beeindruckend und verrueckt, da wollte der letzte Marquis vor 150 Jahren einen Wehrturm wieder klassifizieren und hat das auch ganz fantasievoll hingekriegt. Der Hoehepunkt fuer Juri ist dann aber, als er sich einen echten Ritterhelm mit Klappvisier aufsetzen darf! Krass ist auch, dass das Schloss, wie anscheinend viele andere in Frankreich, in Privatbesitz ist und auch immer noch bewohnt wird, ja sogar die Kueche mit den zig Kupfertoepfen und Gewcht angetriebenem Grillspiess wird von den durch Wein zu Reichtum gekommenen Besitzern noch genutzt. Der Sohn ist so beeindruckt von unserem Velozug, dass er uns gerne ein Stueck begleitet haette.
Wir freuen uns dann und waehnen uns fast im siebten Himmel als wir erst einem Radweg finden, der geht noch 80km flach weiter auf einer alten Eisenbahntrasse bis zum Meer, und dann eine Zeltwiese mit Bank und Tisch finden. Was koennen wir uns so noch mehr wuenschen? So werden wir unsere Seelen in zwei Tagen einholen.
Tags: Allgemein
Heute finde ich endlich wieder Zeit zu schreiben, eine Woche ist es her. Wir sind weit gekommen, nur noch 200km zum Meer bei gerade mal Halbzeit. 900km haben wir hinter uns gebracht, unzaehlige Berge ueberwunden, Regen und Hitze ueberstanden. Die Reise ist zum Alltag geworden, also machen wir heute mal Urlaub und nehmen uns einen Tag frei am Pool.
Wir hatten noch einige Hoehenmeter gut und rollten durch einen offensichtlich alten, erhaerteten Lavastrom durch saftiggruene Landschaft nach Aurillac. Fast etwas wehmutig drehten wir uns immer wieder zum Cantalgebirge um und erwarteten uns nicht viel von der fuer uns verhaeltnismaessig grossen Provinzstadt Aurillac. Als wir dann aber direkt durch die beinahe endlosen Altstadtgassen fuhren waren wir positiv ueberrascht, Aurillac war viel ansprechender als der Wikipedia-Eintrag vermuten liess.
Nach einer laengeren Rast lim schattigen Stadtpark schwommen wir mit dem Feierabendverkehr raus aus der Stadt an grossen Einkaufszentren vorbei und fanden uns beinahe verloren in der gesichtslosen Vorstadt. Staedte koennen schon sein, Landschaft auch, Vorstaedte sind immer furchtbar und wohl eine Notwendigkeit, um den Staedten die EInwohner zu bechaffen, und die Traeume vom Eigenheim wahr werden zu lassen. Einfallslos werden die Strassen schachbrettartig oder auch nur an einem Strang ins Gelaende gefraest. Langweilige Haeuser, keine Geschaefte, kein Mensch auf der Strasse, kein Wegweiser, hier bin ich froh, dass ich mittlerweile TomTom GPS Navigation im Handy habe. Die Routenwahl ist fuer uns Radler unbrauchbar, aber de Datenbasis ist dafuer wirklich phenomaenal, jeder Feldweg ist verzeichnet und wir gehen in den Vororten nicht mehr verloren (wann knackt endlich ein Hacker die Software und fuehrt einen I-dont-care Modus ein, indem gnadenlos gegen alle Einbahnstrassen und Feldwege navigiert wird!).
So finden wir also hinaus in die Champaignaraie, eine Huegellandschaft suedlich von Aurillac und schlafen schoen versteckt hinter Hecken auf der Wiese mit gefuelltem Duschsack, also hoechste Komfortkategorie!
Am naechsten Morgen werden wir nicht von der Nockenwelle wie die Achterbahn, sondern von unserem Naehmaschinenpedaltritt in die Senkrechte gehieft. Wer nachts nicht schlafen kann und beim Suchen auf der Fernbedienung mal in den fruehen Morgenstunden bei Eurosport auf Tractor-Pulling gestossen ist, weiss wie ich mich gefuehlt habe: Ziehen von einer Irrelast bis der Motor platzt!
Nun, es hat sich gelohnt, wieder der Vergleich mit der Achterbahn: am Morgen steil hinauf und dann beinahe den ganzen Tag sanft bergab und die Hoehenmeter gut ausgenutzt. Wir stiessen auf eine fantastische Strasse, die sich dem Fluss La Ranche entlang schlaengelte. Als wir nach einer halben Stunde immer noch kein Auto gesehen haben, klingten wir Juri aus, und der freigelassene Motorradfahrer radelte gluecklich drauf los und beschalte das Tal mit seinen Lippen-Motorradgeraeuschen.
Noch kurz vor der Lagerplatzsuche wunderte ich mich ueber das unruhige Ruckeln des Anhaengers und mein Verdacht war richtig: nun sind wir nicht mehr pannenlos unterwegs sondern haben einen Platten zu verzeichnen. Der Schaden war schnell behoben und Juri half eifrig mit, fuer ihn war es ein Erlebnis. In der unmoeglichsten Gegend, Haupstrasse, Muelldeponie, folgten wir einem Campingschild in eine Oase: eine freie Zeltwiese mit Wasseranschluss und Tischen, Top-Komfortkategorie!!!
Der naechste Tag war anfangs etwas verkehrsreich, doch sehr bald trafen wir auf eine Radroute, die am Cele-Fluss entlang fuehrt. Ein ueberaus spannender Flusslauf, der sich ueber Jahrtausend zig Meter tief in den Kalk gefressen hat. Dementsprechend war unsere Fahrt verhaeltnismaessig schattig und kuehl.
Wenn wir schon mal hier sind, dachte ich, und wir verliessen den schattigen Flusslauf mit seinen zahllosen Burgen und Schloesschen und arbeiteten uns hoch in die Caussees. Caussee sind trockene Kalkflaechen, in denen jedes Regenwasser sofort versickert und sich eher Steppenbewuchs haelt. Schon nach wenigen Kilometern veraenderte sich die Vegetation schlagartig. Die Eichenwaelder verschwanden und wir waren von der Serengeti umgeben, die Loewen fehlten, heiss genug waere es gewesen.
Wieder half uns TomTom den unbeschilderten Pfad zu finden. Einfach unfassbar wieviel Schloesschen es hier gibt, es gibt Doerfer, die bestehen nur aus alten Burgen und Gutshoefen, einfach unglaublich. Und das scheinen neben uns vor allem Englaender, Hollaender und Belgier zu wissen, Franzosen gibt es hier immer weniger.
Am Ende unserer Kraefte machten wir uns auf zum Dolmen San Martin. Da ich Dolmen mit Doline verwechwelt habe mussten wir fast Lachen als wir uns nach all den Strapazen vor einer 20 Tonnen schweren Steinplatte auf verschiedenen Stuetzen fanden. Die Verweildauer an diesem “historischen Monument” ist in der Regel sehr kurz, alle Besucher, die wir sahen, schauten kurz hilflos und wussten ebenso wenig mit dem praehistorischen Bauwerk anzufangen. Wir wussten es und bauten kurzerhand unser Nachtlager auf. Strahlend leuchtender Sternenhimmel, tieforange Morgen- und Abendsonne waren der Lohn dafuer, diesen Ort mit Fahrrad und Anhaenger zu erreichen - der Eingang war ein paar Zentimeter zu schmal, so dass wir Lenya abkuppeln und ueber die Absperrung hieven mussten.
Wir hatten einen Bilderbuchmorgen, den wir ausgiebig fuer Fotoshootings nutzten. Lenya und Juri, Juri und ich, Lenya und Angela, Angela und Juri, Juri und ich und alle zusammen (Angela und ich fehlen in dieser Aufzaehlung, denn die Reise hat nun aber auch garnix mit Zweisamkeit zu tun, da passen unsere beiden Talibans schon auf).
Am naechsten Tag brachen wir unser Kalkwuestenabenteuer schnell ab und suchten wieder den Weg zurueck an die Cele. Es herrschte Bullenhitze. Wir fanden eine verschlungene Strasse hinter ins Flussbett an vielen Hoehlen vorbei und staunten abermals ueber die Schloesservielfalt. Bei Caberets konnten wir wieder einmal einen Gemeindezeltplatz nutzen, huebsch gelegen mit Badegelegenheit im Fluss. Ich sage Zeltplatz, weil hier zwar alle sanitaeren Anlagen vorhanden, aber nach wie vor Zelte die vorherrschende Gattung sind und noch nicht vom kastenartigen Weiss an den Rand gedraengt worden sind.
Voller Erwartung rollten wir die letzten Kilometer die Cele bergab bis sie schliesslich in den Lot muendet, dem sich auch der Jakobsweg anschliesst. Der Lot ist wesentlich maechtiger und sticht schon auf der Landkarte aufgrund der zahlosen Maeandern ins Auge, wie sich der Fluss ungewoehnlich gleichmaessig sinusartig hin- und her schwingt. Wir machten Rast an einer Schleusse. Juri und ich hatten riesige Freude, die komplett mechanischen Schleussentore auf- zu zu kurbeln und den Hausbooten so bei der Weiterfahrt zu helfen. Gut geschleust dauert das Prozedere vielleicht 20 Minuten. Da es aber, wie uns ein Familienkapitaen erzaehlt, alle 2km eine Schleusse gibt, ist der Hausboot-Urlaub sicherlich eine adaequate Alternative zu unserer Art der Entdeckung der Langsamkeit.
Unser Ziel war das verheissungsvolle Cahors, Haupstadt des Departements Lot, frueherer Bischofssitz und Etappenort des Jakobswegs. Wir gaben alles, schwitzten bei 35C, holperten ueber loechrige Strassen und dann diese Enttaeuschung. Bitte alle Reisefuehrer umschreiben, Cahors ist eine nette Stadt, aber nix besonderes. Die Bruecke, sicher nett, aber dafuer muss man nicht kommen. Noch mehr nervte uns die Suche nach einem Waschsalon, ein schwieriges Unterfangen, da bereits bei der ersten Rekursionstiefe der Wegbeschreibung mein Franzoesisch versagt.
Nix wie raus, wieder diese verdammten Vororte mit aufblasbaren Pools, Trampolins und Hunden in den hastig angelegten Gaerten, steile Kurzanstiege, sinnlose Umwege durch die Fahrradwegbeschilderung. Schliesslich fanden wir einen wenig komfortablen Schlafplatz: Eisenbahnlaerm, dass man glaubte, der Gueterzug fuehre direkt durchs Zelt, gewuerzt mit bestaendigem Lastwagenverkehr auf der Hauptstrasse. Dazu Gewitter, dass es nur so krachte, und Regen, dass es nur so prasselte. Doch ich war froh um den Regen, die Hitze war ja kaum mehr auszuhalten.
Der Morgen war schwuel und die Landschaft war zur Weingegend geworden. Ueberall Beschilderung zu Weinguetern und -proben, aber daran finden wir ja leider nix. Wen ueberhaupt, schmeckt mir der Traubensaft nur unvergoren.
Langsam wurden wir der wegverlaengernden Sinusschwingungen des Lots ueberdruessig und kuerzte einige Boegen ab. Doch diese Abluerzungen waren hart erkaempft. Zum einen kamen wir so mehr auf die Hauptverkehrsstrassen, die Bewunderung uns gegenueber nimmt stetig ab, wenn wir zum bremsenden Ueberholmanoever werden, zum anderen waren damit immer wieder kraeftezehrende Aufstiege aus dem Flusstal von Noeten.
Als wir eine Bruecke ueberquerten, ueberholte uns ein Autofahrer wild gestikulierend und wunk mich heran. Er war so begeistert von unserem Gespann, dass er uns zu sich nachhause einladen wollte. Und um uns das zu sagen, fuhr er uns extra nach, wie nett. Zu seiner Enttaeuschung lehnten wir ab, da wir nur ungern noch einmal zurueck ueber einen Berg fahren wollten.
Stattdessen gelangten wir wieder auf eine Nebenstrasse und baten an einem Anwesen um Wasser. Die Frau rannte ins Haus, wir wunderten uns und staunten nicht schlecht als sie mit zwei Flaschen unterm Arm und einem Sunkist fuer Juri wieder kam, so schoen!
Ich fand dann doch noch den Wasserhahn, Juri leerte mit Freude sein mindestens 10% gehaltiges Fruchtgetraenk und wir setzten unsere Fahrt fort. Nachdem die schoene Landschaft so verschwenderisch grosszuegig besiedelt und bewirtschaftet war, waren wir froh, einen Campingplatz zu erblicken. Ein kleiner Platz, aber grosszuegig angelegt, Zelte und Wohnmobile stoeren sich nicht im Blick. Juri freute sich ueber den Pool, wir ueber den gastierenden rollenden Pizzabaecker. Waeren wir Englaender und all die Hollaender hier Deutsche, bekaemen wir sicher vor Gericht Anspruch auf Entschaedigung zugesprochen. Nein, es ist andersherum: Das aeltere Ehepaar neben uns, bereits zum vierten Mal hier auf der Suche nach Ruhe, ist sicher froh, wenn wir morgen nicht noch einen weiteren Ruhetag einlegen.
Und ausserdem: Wir wollen ans Meer, nur noch 200km!
Tags: Allgemein
Mobile Bandbreite gibt’s mittlerweile fast ueberall. Das ganze ge-internete frisst mir aber staendig die Batterien leer (und wahrscheinlich auch den Geldbeutel, aber das sehe ich erst noch). So sitze ich also gerade am Toilettenausgang mit Stromadapter in der Wand auf einem Zeltplatz vor Aurillac in den Cantal-Bergen.
Unsere Hoffnungen wurden bestens erfuellt und wir durften mit warmen Sonnenschein auf ueber 1000m Meereshoehe erwachen. Nichts als blauer Himmel um uns herum, was fuer ein fest. Wir waren umgeben von endloser Weite, archaischen Gehoeften, riesigen Weidefeldern und Sonne und blauem Himmel. So stelle ich mir den Sueden Chiles vor. Ganz, ganz weit hinten am Horizont konnten wir den Puy Mary erahnen, ein Vulkanmassiv, das wir uns spaeter noch genauer unter die Raeder nehmen sollten.
Wir fuhren auf der Hoehe flach dahin, wobei flach hier schon 100m rauf, 100m runter hiess. Egal, die Landschaft war jede Schweissperle wert.
Einmal ersteilte sich die Auffahrt beinahe in die Senkrechte, wie die Anfangsaufzugsstrecke bei der Achterbahn. Dann wurde wir wieder mit rasanten Kurven, Huegeln und Steinhaeusern belohnt. Bald endete die digitale Landkartenkopie auf meiner Kamera wir fuhren durchs Nirvana. Bis Alanche konnten sich so vor mir noch einige Zwischenpaesse verstecken.
Nach einer laengeren Kaffeeeispause nahmen wir uns noch weitere Hoehenmeter vor. Gleich einem 3D-Flug glitten wir nun auf 1200Hm voran, bis einer Veloroute folgend ein sonniges Versteck bei Strohballen fanden. Die Luft war klar, Fliegen gab es keine, Juri konnte in der Abendsonne Fussball spielen, und unser Zelt bat guten Schutz vor der einsetzenden Kaelte.
Am naechsten Morgen warteten wir wieder die ersten Sonnenstrahlen ab, die uns den Tau vom Gras und das Kondenswasser vom Zelt wischen. Es ist immer schwieriger Kompromis zwischen Lagerplatz mit langer Abendsonne und frueher Morgensonne. Doch hat sich ueber die Zeit die Morgensonne als nuetzlicher erwiesen: das Aufstehen faellt leichter, das Fruehstueck verlaeuft ausgeruhter, unser Hab und Gut trocknet besser, und wir kommen schneller los. Doch hier oben ist das alles Einerlei: kaum Hindernisse die Sonnenstrahlen abschirmen.
Wieder so ein herrlicher Morgen, ein starkes Hoch haelt jede Wolke von uns fern. Wir pokern hoch und steuern den 1588m hohen Pass Peyrol an, der am Fusse des 1750 Puy Mary liegt, noch laesst sich die schroffe Vulkanerhebung erst erahnen.
Die schmale Strasse teilen wir uns mit einer Reihe motorisierter Touristen, sehr viele davon in grossen Wohnschiffen. Etwas nervig, da fuer Wohnmobile von 12-24h die Auffahrt eigentlich verboten ist, hier aber keinen kuemmert.
Die kahlen Bergruecken sind von eine tiefgruenen Flora bezogen, so dass die Konturen markant zum Vorschein kommen und fast ein wenig an das gruene Pulver von Modelleisenbahnen erinnern. Die vielen Namen auf der Strasse sind stille Zeugen einer frueheren Tour de France Etappe durch dieses Idyll. Nach einer letzten Mittagsrast am Col du Serre machen wir uns bereit zum Gipfelsturm. Die immer steiler werdende Auffahrt fuehrt uns vor Augen, dass auf den letzten 1.7km noch 165 Hoehenmeter liegen, also knapp 10%. Nachdem sich die Strasse hier in steilen Spitzkehren nach oben schraubt siehts richtig dramatisch aus. Von der Sonne in den Autos weichgekocht, gehen die Muender der Autofahrer nicht mehr zu als sie erst Angela mit Juri im Schlepptau und dann mich mit meinem Tretzug erblicken. Ich muss in den ersten Gang schalten, bin kaum mehr schneller als ein Fusgaenger, als meine Fuesse wie Naehmaschinnadeln pedalieren - es dauert einfach, aber wieder ist das 12/34 Nanodrive der Schluessel zum Erfolg. Wir fahren quer durch die Vulkanfelswand als uns immer wieder Autofahrer anfeuern.
Endlich oben angekommen, hier sind alle versammelt, bekommen erst Angela und Juri, dann Lenya und ich nochmal gesondert grossen Applaus. Allerdings auch ein mittlerer Schock in diesem nach Parkplatz suchendem und rangierendem Blechgetuemmel beinahe eingesperrt zu sein.
Juri treibt und will unbedingt noch zu Fuss auf den Puy Mary. Hohe Betonstufen machen den Aufstieg rutschsicher, aber es ist in jedem Fall ein kraeftiger Marsch, wie bei der Polonaise kann man den Vordermann fast an den Schultern fassen. Nachdem sich Juri beim Radfahren vor allem verbal mit seinen endlosen Fragen nach der Welt verausgabt, hat er von uns allen noch am meisten Reserven. Lenya sitzt bei Angela im Tragetuch am Bauch und Juri loechert mich, ob diese steilen Stufen auch noch ein Traktor, Lastwagen, Motorad, Gelaendemotorad, Raketenmotorad hoch und runter kaeme. Seine Augen leuchten bereits seit einigen Wochen, wenn er sich sein spaeteres Leben als Rennmotoradfahrer ausmalt, seine Lippen vibrieren vornehmlich als imaginaerer Motor wenn er auf dem Rad sitzt. Um das Glueck perfekt zu machen, wuenscht sich Juri einen Schnurrbart, und zwar “einen echten, keinen Faschingsschnurrbart zum Hinkleben”. Dann folgt immer wieder die obligatorische Frage, ob “die Lisa”, ein Nachbarsmaedchen von uns, offensichtlich seine neue Flamme, “dann Angst um mich hat?”.
Die Aussicht vom Gipfel ist atemberaubend, ein bischen wie Island bei Sonnenschein, doch Nichts ist vergleichbar. Wir teilen die Ausicht mit vielen anderen, doch gibt es genuegend fuer alle, volle 360 Grad Rundumsicht bei bester Fernsicht, ein Fest. Wir freuen uns schon, als wir den Strassenverlauf unserer folgenden Bergabfahrt ins Jounane-Tal mit den Augen abfahren koennen. Spaeter auf dem Rad wird es das reinste Vergnuegen, “den Berg moecht ich noch dreimal hochfahren”, meint Angela. Rasant geht’s bergab, schon zu Beginn unserer Fahrt habe ich mir 32km/h als Spitze gesetzt, im Freudentaumel werdens manchmal etwas mehr. Wie ein Lastwagen bremse ich Intervall, im Gegensatz zur Eisenbahn, kann bei meinem Zug nur die Lok bremsen. Wir legen ein paar Bremsenpausen ein, meine Bremsscheiben zischen laut auf als ich sie mit Wasser kuehle. Auch Angela mus aufpassen, dass sie nicht ihre Schlaeuche durchschmort, obwohl Juri fleissig mitbremst. Klingt etwas dramatisch, kennt aber jeder Mountainbiker, vielleicht in etwas milderer Form.
Lenya schreit und hat Hunger und so spuelt uns der Zufall zu einem netten Zeltplatz, der erst der schattige Fuetterplatz fuer Lenya, dann unser Nachtlager wird.
Sternenklarerhimmel ueber mir, schon die dritte Nacht, was fuer win Glueck in diesen unsteten Kontinentalklimabreiten, wir haben wohl alles richtig gemacht.
Tags: Allgemein
Wir verliessen unseren Fussballplatz und genossen die Weiterfahrt auf einem einsamen Straesschen durch die Livradois Berge. Nachdem wir uns gestern schon so fleissig nach oben gearbeitet hatten, hatten wir es heute schoen einfach flach, spaeter ging es dann variantenreich bergab. Sanft schlaengelte sich die Strasse an beneidenswert huebschen Haeuschen bergab mit den unzaehligen Vulkanen von Clermont-Ferand im Hintergrund. Dieser traumhafte Zustand wurde dann jaeh unterbrochen. Unsere Oberschenkel waren zart entspannt und auf Abfahrt eingestellt, als die Strasse dann gnadenlos in sengender Hitze bergan zog. Unsere Wasservorraete waren knapp, die Kehlen trocken, Juri und Lenya taten das, was wir auch einfach gern gemacht haetten: sie schrien.
Wir rissen uns zusammen, bauten den Sonnenschutz so gut es ging, und rollten bald wieder bergab, was Abkuehlung und Freude machte.
Unvermittelt fanden wir uns in Jumenaux auf einem Jahrmarkt und es dauert nicht lange bis ueber die Lautsprecher unser Zurich-Bordeaux Vorhaben verkuendet wurde. Juri bekam eine Waffel geschenkt, wir auvergnische aufbereitetes Fleisch, und Juris weites Lachen wollte auch nach der Vierten Karusselfahrt noch nicht schwinden.
Wir bezogen ein ruhiges Nachtlager und waren froh, dass wir im Zelt und die Stechmuecken vor dem Zelt waren.
Am naechsten Morgen schliefen wir gut und lang. Nach kurzem Auffuellen unserer Vorraete in Lempdes fuhren wir wieder auf einer Strasse, die allein fuer uns gebaut schien, durchs Alagnon-Tal. Das Glueck war fast perfekt, doch hatten wir unser Wasser vergessen.
Eigentlich wollten wir in der alten Muehle Le Bateau nur noch Wasser fragen, doch als wir durch die Tuer spitzten trauten wir unseren Augen nicht: ein mit Liebe gepflegtes Kleinod greifbar fuer uns als Gite. Wir liessen es nicht bei unseren gefuellten Flaschen, sondern mieteten uns sofort ein. Hinter dem alten Gemaeuer verbarg sich ein paradiesischer Garten eingebettet in alte Muehleutensilien und schattenspendende Baeume. Juri hat Freude durch den alten Wasserlauf zu kriechen, auf Traktoren zu sitzen, und mit seinem Legobagger in Maulwurfhuegeln zu graben. Lenya sass auf einem alten Mahlstein Model. So verbrachten wir nach nur 6km Fahrt einen entspannten Tag. Im Zimmer fuehlten wir uns wie bei guten Bekannten untergebracht, so persoenlich und mit Liebe eingerichtet, wie wir es noch nicht gesehen haben. Dazu noch herzensnette Gastgeber, die geduldig aus meinen Franzoesischfetzen unterhaltsame Gespraeche sponnen. Schliesslich konnte ich noch eine 25000er Wanderkarte abfotografieren und damit eine Routenvariante fuer die Weiterfahrt ersinnen.
Nach einem riesigen kleinen Fruehstueck zogen wir unter Blitzgewitter der Fotoapparate los. Wir stoppten kurz in Blesle, ein schmuckes Bergdorf, in dem viele Haeuser zum Verkauf stehen.
Die Strasse wurde noch schmaeler und wir bogen auf einen Schotterweg ab, den ich am Display meiner Kamera auf der abfotografierten Landkarte verfolgen konnte. Nach einer Mittagspause auf Baumstaemmen wurde der Weg grobschottrige, lose und so steil wie wir es noch nie hatten. An Fahren war trotz meiner Maeusezahnuebersetzung 12:34 nicht mehr zu denken. Schieben konnte ich unseren Velozug alleine sowieso nicht. Anfangs half Juri noch etwas, doch bald war er muede und wollte auch noch in den Fahrradanhaenger. In 200 Meter Etappen stemmte ich mit Angela als Zwischenlokomotive den Lastzug nach oben. Angela musste dann immer wieder zurueck und ihr Rad holen. Insgesamt schienen die nur 3km lange Distanz auf die Weise endlos. Unglaublich wie die 20kg Juri, 10kg Lenya, 12 kg Kinderanhaenger, 10 kg Ladung, 7 kg Lastenanhaenger und 15 kg Last auf vielleicht 10 Prozent steiler Schotterpiste zerrten. Zudem war der Weg noch durch Radspuren zerfurcht, so dass wir, um die Raeder einigermassen sanft rollen lassen zu koennen, durch knoecheltiefen Schotter stampften und rutschten.
Schliesslich kam mir der erloesende Gedanke: flache Berg faehrt man einmal, steile einfach zweimal. Ich stand kurz vor dem Wolf-Schaf-Faehrmannprobem, doch die Loesung war einfach. Erst zog ich Juri und Lenya weiter nach oben. Waehrend Angela deren Schlaf bewachte raste ich nach unten, um den Lastenkarren zu holen, der dann schon vergleichsweise ein Leichtes war. Besonders half hierbei etwas Luftablassen aus den Reifen, so dass diese besser in den Schotter griffen.
Es war hart, aber es ging vorbei. Wir finden uns nun auf 1000m Hoehe und geniessen den undendlichen Ausblick auf das ausgefaltete Massif Central: man nehme die Zentralschweiz, ziehe kraeftig an allen Ecken und heraus kommen die sanftgeschwungenen fast unbewohnten Huegel des Cantal-Gebirges. Um die Vulkane zu sehen, muss man dann aber immer noch hierher fahren. Ein letzter Tee hat uns schon gewaermt und jetzt muessen wir uns in die Schlafsaecke vor der einsetzenden Kaelte verkriechen. Wir hoffen, dass die Morgensonne den Weg zu uns findet, wir haben uns extra schoen oestlich exponiert.
Tags: Allgemein
Es gibt nichts schoeneres als an einem himmelblauen Morgen von den Sonnenstrahlen geweckt zu werden. So sitze ich gerade in der Morgensonne und verfasse diese Zeilen.
Wir sind wieder gutes Stueck vorangekommen. Nach unserem Ruhetag in der Gite im Nirgendwo erklommen wir luftigen Hoehen in Richtung Col du Beal, unser erster Kontakt mit dem Massif Central. Ein bischen wie Schwarzwald und doch ganz anders: unermesslich riesig erstreckt dieses Mittelgebirge mit unzaehligen Bergketten gesaeumt von schoenen Steindoerfern. Die Sonne brannte unerbittlich und ohne ein Fleckchen Schatten waren wir der Sonne hilflos ausgeliefert. Wenigstens reichte uns das Wasser bis St. Georges (so heist hier uebrigens jedes dritte Dorf), wo wir wieder auffuellen konnten.
Die Strassen sind ein Traum. Es herrscht kaum Verkehr, wir haben die Strassen fast fuer uns. Kommt dann doch mal ein Auto, es ist paradox, kommt immer auch eines von der Gegenseite. Freundlicherweise rammen sich die Autofahrer aber lieber selbst im Millimeterabstand und halten immer 2-3m Abstand von uns. Nach wie vor sind die Leute sehr verhalten, Einzelne hupen und feuern uns an. So wie die beiden Kaminfegern mit ihren Handykameras, das motiviert und bleibt in Erinnerung. Die Steigungen sind fuer uns Schwerlastfahrer gerade ertraeglich, 1000 Hm verteilt auf 20km ist fuer uns bestens, bergauf wie bergab.
In Chalmazel koennten wir zur Freude Juris eine bestens erhaltene Burg in Privatbesitz besichtigen. Gerne haetten wir auch dort uebernachtet, doch leider war schon ausgebucht. Uebrigens: falls jemand einen besonderen ort zum Heiraten sucht, das ist die Gelegenheit.
Wir trafen es auch gut, fanden in all dem bewirtschafteten Berggelaende ein romantisches Nachtlager auf flauschigem Grasbett. Wir konnten sogar unseren Duschsack fuellen, also rundum perfekt. Fast, winzige Beissmuecken setzten uns dann unter Quarantaene im Zelt.
Der Morgen war mal wieder eher verregnet, auf der Hoehe auch einigermassen kalt, kein Sonnenschimmer sichtbar. Das Aufstehen und Packen fiel uns schwer. Der Aufstieg zum 1390m hohen Col du Beal machten uns wieder warm. Auf der Hoehe war es wie im Hochgebirge. Nebelschwaden verschlangen die kahlen Bergruecken und tauchten die Landschaft in ein dramatisches Licht. Herrlich dramatisch.
Wir erreichten den Pass. Nach unserem Start von 300m Hoehe wird unsere Freude verstaendlich. Angezogen von der einladenden Bauweise des Gites am Pass liessen wir uns mit Koestlichkeiten aus der Region verpflegen und ich verstand mit einem Mal was mit Essen-wie-Gott in Frankreich gemeint war.
Wir hatten keine Lust bei der 800 Hoehenmeter in die Tiefe treibenden Abfahrt all den Niesel in uns aufzusaugen und vebrachten nach gerade mal 6km Fahrt die Nacht dort.Es gab reichlich Spielzeug fuer Juri und Lenya, die Vorzuege von Tisch und Stuhl fuer uns und ueberhaupt ein mit Liebe gepflegter Ort. Das ist ueberhaupt das Schoenste an unserer Reise: Entdeckungen und die Freiheit, sie nach Lust und Laune geniessen zu koennen - oder wie Juri sagt “wann tun wir wieder ein neues Haus finden und dort schlafen?”.
Das Warten hat sich gelohnt. Am naechsten Tag waren die Wolken weggeblasen und Schoenwetterwolken wiesen der Sonne den Weg zu uns. In eisigkalter Morgenluft zwar ging es bergab, dann im naechsten Gebirge, Livradois, wieder hinauf. Schoen sanft, so schoen, das ich erstmals mit Juri und Lenya im Gepaeck auf meinem mittleren Kettenblatt fahren konnte, ja, so bewerte ich mittlerweile die Anstiege. Wieder, nach unseren Eindruecken aus dem Flachland, waren die Bergdoerfer urtuemlich und belassen und erzaehlten von der Beschaulichkeit aus einer anderen Zeit. Huebsche Steinhaeuser, stolze Kirchen, nur die Leute verstecken sich. Wir fanden einen ungewoehnlichen Schlafplatz, einen aufgegeben Fussballplatz mit mannshohem Gras.
Und so liege ich hier in der Sonne und frage mich, ob das Weiterfahren ueberhaupt lohnt.
Tags: Allgemein
Ein guter Schlafplatz muss zu allererst mal einigermassen flach und gross genug sein, sonst schlaeft man oben ein, rutscht runter, wacht unten wieder auf, krabbelt wieder hoch und so geht das dann die ganze Nacht. Idealerweise hat es noch einen Baum wo wir die Velos anlehnen und ein paar Sachen aufhaengen koennen. Bequemer wird’s noch wenn wir auf Baumstaemmen oder Steinen erhoeht sitzen oder gar noch einen Tisch bauen koennen. Luxus ist, wenn is fliessend Trinkwasser in Reichweite gibt. Unsere Angewohnheit ist es, dass ab 17h neben unseren 4l Wasser in Flaschen am Rad zusaetzlich der Wassersack mit 4.5l Wasser gefuellt ist, das gibt dann mehr Unabhaengigkeit bei der Schlafplatzsuche. Leider ist kein Land mit dem Wasserschloss Schweiz vergleichbar und wir muessen in Frankreich oefter in Bars oder Privathaeusern nachfragen, da Brunnen spaerlich oder meist nicht trinkbar sind. Haben wir Wasser in der Naehe fuellen wir noch 10l in unseren Duschsack, das reicht fuer 7 Minuten, bei genuegend kaltem Wasser also fuer die ganze Familie…
Campingplaetze moegen die einleuchtenste Wahl sein, wo alles gegeben scheint, doch vermissen wir hier die Ruhe und Freiheit. Nachdem Zelten aus der Mode kam, reihen sich hier vornehmlich Dauergaeste in Wohnwaegen aneinander, eingemauerten von Vorzelten und Zaeunen, wo Gartenzwerge meist nicht weit sind. In Chatilion meldete dann auch noch ein korrekter Dauergast dem Campingwart, dass der “neue Englaender” seine Satellitenschuessel ueber seine Platzgrenze hinaus ausgerichtet haette…hier ist wirklich Freiheit weit.
Da Frankreicht fast anderthalbmal duenner besiedelt als Deutschland ist, finden wir meist ein freies Plaetzchen. Nach der ersten Auffahrt in die Lyoner Berge war dies dann aber erst auf der Kammhoehe moeglich, da wir sonstwo nachts von den Matten gerutscht waeren. Die Aussicht war grandios. Probleme hatten wir mit Zelten in Freiheit bisher keine. Nur einmal wies uns eine Greisin auf die Genehmigungspflicht der Benutzung der Bank vor dem Haus ihrer Nachbarin hin, doch konnten wir darueber genauso schmunzeln wie ueber den Hinweis, dass ein Teich Privatbesitz sei und wir unser Pic-Nic schnell beenden muessten. Ja, die Privatschilder gibt es, doch Platz hat es in Frankreich genug.
Dann war DER schlechte Tag. Schon am Morgen vergass ich einen Sack am Bergkamm und musste nochmal zurueck. Erstmals freigelassen ohne Zuglast ging das schnell, war aber trotzdem nervig. Dann fing es zu Regnen an. Regen nervt, kuehlt aus, zerstoert die Moral und kostet Geld. Man geht in Restaurants und wird doch nicht gluecklich. Schlimmer noch: die Laeden schliessen immer von 12h15 bis 14h45 auch wenn sie 8ahuit heissen, wir waren spaet dran und strampelten gegen den Minutenzeiger vor Zwoelf. Angela hatte die Kinder, ich die Regenkleidung, sie hinten, ich vorne, eine freche Wolke entlud sich ueber uns, ein zwischenmenschliches Gewitter kam hinterher.
Das Restaurant war heute nur eine Bar, es gab schlechte Sandwichs. Der Himmel klaerte sich nur halb und wir beschlossen in Ampluis den Tag vorzeitig in vier Waenden mit Dach zu beenden. Fehlanzeige, hat dieses 10.000 Seelenkaff doch kein Hotel, Pension, Gite, nein nix - mit dieser Frage brachten wir jeden Bewohner in Verlegenheit.
Man schickte uns zum Lac Sapins, schoene Gites, doch alle voll. So eine Zeitverschwendung und wir landeten wieder im Gras, allerdings nicht ohne noch vom Besitzer erwischt zu werden, der uns dann aber wohl der Kinder wegen bleiben liess und uns nur, bat keinen Dreck zu hinterlassen. Dass taten wir brav, doch besudelten wir uns noch selbst, als sich Lenyas Mageninhalt nach einem Wutanfall ueber Juris Rauferei im Zelt entleerte. Auch das ist Urlaub.
Schon am Morgen leuchtete unser Zelt innen grell gelb, ein gutes Zeichen: ENDLICH SONNE, das heisst Trocknen, Waerme und Wonne. Wir fanden gut die kleinen, wenn auch steilen, Straesschen hoch in die Berge. Es ging auf und ab ueber weite grosszuegige Landschaften. Wir ueberquerten die wohlklingende, hier aber dreckig braune Loire, staunten ob der trostlosen und ausgestorbenen Ortschaften, und erfreuten daher umso mehr an einer Kultbar in Nerviaux. Wir sassen ahnungslos auf den Stuehlen vor einer geschlossenen Bar als ploetzlich eine kuerzlich auferstandene Helge-Schneider-Figur um Bestellung bat. Wir brachten ihn mit Kaffee und heisser Schokolade beinahe in Verlegenheit, da er neben Hochprozentigem nichtmal fliessend Wasser am Tresen hatte! Er verschwand spaeter nochmal lange Zeit mit unseren Trinkflaschen, schaffte dann aber doch nach einigen Minuten wohlschmeckendes Wasser heran. Kult.
Wir fuhren weiter durch Siedlungen mit Traum vom eigenen Haus, vermehrt machen sich Trampoline und diese riesigen, aufblasbaren Pools breit, dazu gehoert ein klaeffender Hund und ein scheusslicher Zaun oder eine Mauer.
Zuviele Privateigentumschilder, Stacheldraht, Weideflaechen, eine Landschaft wie auf Rinderfarmen im Sueden Brasiliens. Doch da: Gite Rural.
Wir folgten dem Feldweg und wurden mit Handschlag begruesst: Willkommen im Paradies. Juri stuerzte sich auf die Bagger und Laster im Sand, “so schoen, ich will nie mehr heim”. Wir genossen den wunderbaren Ort auch so sehr, dass wir gleich zwei Tage blieben. Heute, unser “freier” Tag, verging wie im Fluge, ein Gutes Zeichen! Schon skurril, auf dem Land kommen wir leichter unter als in der Stadt.
Tags: Allgemein