Ein guter Schlafplatz muss zu allererst mal einigermassen flach und gross genug sein, sonst schlaeft man oben ein, rutscht runter, wacht unten wieder auf, krabbelt wieder hoch und so geht das dann die ganze Nacht. Idealerweise hat es noch einen Baum wo wir die Velos anlehnen und ein paar Sachen aufhaengen koennen. Bequemer wird’s noch wenn wir auf Baumstaemmen oder Steinen erhoeht sitzen oder gar noch einen Tisch bauen koennen. Luxus ist, wenn is fliessend Trinkwasser in Reichweite gibt. Unsere Angewohnheit ist es, dass ab 17h neben unseren 4l Wasser in Flaschen am Rad zusaetzlich der Wassersack mit 4.5l Wasser gefuellt ist, das gibt dann mehr Unabhaengigkeit bei der Schlafplatzsuche. Leider ist kein Land mit dem Wasserschloss Schweiz vergleichbar und wir muessen in Frankreich oefter in Bars oder Privathaeusern nachfragen, da Brunnen spaerlich oder meist nicht trinkbar sind. Haben wir Wasser in der Naehe fuellen wir noch 10l in unseren Duschsack, das reicht fuer 7 Minuten, bei genuegend kaltem Wasser also fuer die ganze Familie…
Campingplaetze moegen die einleuchtenste Wahl sein, wo alles gegeben scheint, doch vermissen wir hier die Ruhe und Freiheit. Nachdem Zelten aus der Mode kam, reihen sich hier vornehmlich Dauergaeste in Wohnwaegen aneinander, eingemauerten von Vorzelten und Zaeunen, wo Gartenzwerge meist nicht weit sind. In Chatilion meldete dann auch noch ein korrekter Dauergast dem Campingwart, dass der “neue Englaender” seine Satellitenschuessel ueber seine Platzgrenze hinaus ausgerichtet haette…hier ist wirklich Freiheit weit.
Da Frankreicht fast anderthalbmal duenner besiedelt als Deutschland ist, finden wir meist ein freies Plaetzchen. Nach der ersten Auffahrt in die Lyoner Berge war dies dann aber erst auf der Kammhoehe moeglich, da wir sonstwo nachts von den Matten gerutscht waeren. Die Aussicht war grandios. Probleme hatten wir mit Zelten in Freiheit bisher keine. Nur einmal wies uns eine Greisin auf die Genehmigungspflicht der Benutzung der Bank vor dem Haus ihrer Nachbarin hin, doch konnten wir darueber genauso schmunzeln wie ueber den Hinweis, dass ein Teich Privatbesitz sei und wir unser Pic-Nic schnell beenden muessten. Ja, die Privatschilder gibt es, doch Platz hat es in Frankreich genug.
Dann war DER schlechte Tag. Schon am Morgen vergass ich einen Sack am Bergkamm und musste nochmal zurueck. Erstmals freigelassen ohne Zuglast ging das schnell, war aber trotzdem nervig. Dann fing es zu Regnen an. Regen nervt, kuehlt aus, zerstoert die Moral und kostet Geld. Man geht in Restaurants und wird doch nicht gluecklich. Schlimmer noch: die Laeden schliessen immer von 12h15 bis 14h45 auch wenn sie 8ahuit heissen, wir waren spaet dran und strampelten gegen den Minutenzeiger vor Zwoelf. Angela hatte die Kinder, ich die Regenkleidung, sie hinten, ich vorne, eine freche Wolke entlud sich ueber uns, ein zwischenmenschliches Gewitter kam hinterher.
Das Restaurant war heute nur eine Bar, es gab schlechte Sandwichs. Der Himmel klaerte sich nur halb und wir beschlossen in Ampluis den Tag vorzeitig in vier Waenden mit Dach zu beenden. Fehlanzeige, hat dieses 10.000 Seelenkaff doch kein Hotel, Pension, Gite, nein nix - mit dieser Frage brachten wir jeden Bewohner in Verlegenheit.
Man schickte uns zum Lac Sapins, schoene Gites, doch alle voll. So eine Zeitverschwendung und wir landeten wieder im Gras, allerdings nicht ohne noch vom Besitzer erwischt zu werden, der uns dann aber wohl der Kinder wegen bleiben liess und uns nur, bat keinen Dreck zu hinterlassen. Dass taten wir brav, doch besudelten wir uns noch selbst, als sich Lenyas Mageninhalt nach einem Wutanfall ueber Juris Rauferei im Zelt entleerte. Auch das ist Urlaub.
Schon am Morgen leuchtete unser Zelt innen grell gelb, ein gutes Zeichen: ENDLICH SONNE, das heisst Trocknen, Waerme und Wonne. Wir fanden gut die kleinen, wenn auch steilen, Straesschen hoch in die Berge. Es ging auf und ab ueber weite grosszuegige Landschaften. Wir ueberquerten die wohlklingende, hier aber dreckig braune Loire, staunten ob der trostlosen und ausgestorbenen Ortschaften, und erfreuten daher umso mehr an einer Kultbar in Nerviaux. Wir sassen ahnungslos auf den Stuehlen vor einer geschlossenen Bar als ploetzlich eine kuerzlich auferstandene Helge-Schneider-Figur um Bestellung bat. Wir brachten ihn mit Kaffee und heisser Schokolade beinahe in Verlegenheit, da er neben Hochprozentigem nichtmal fliessend Wasser am Tresen hatte! Er verschwand spaeter nochmal lange Zeit mit unseren Trinkflaschen, schaffte dann aber doch nach einigen Minuten wohlschmeckendes Wasser heran. Kult.
Wir fuhren weiter durch Siedlungen mit Traum vom eigenen Haus, vermehrt machen sich Trampoline und diese riesigen, aufblasbaren Pools breit, dazu gehoert ein klaeffender Hund und ein scheusslicher Zaun oder eine Mauer.
Zuviele Privateigentumschilder, Stacheldraht, Weideflaechen, eine Landschaft wie auf Rinderfarmen im Sueden Brasiliens. Doch da: Gite Rural.
Wir folgten dem Feldweg und wurden mit Handschlag begruesst: Willkommen im Paradies. Juri stuerzte sich auf die Bagger und Laster im Sand, “so schoen, ich will nie mehr heim”. Wir genossen den wunderbaren Ort auch so sehr, dass wir gleich zwei Tage blieben. Heute, unser “freier” Tag, verging wie im Fluge, ein Gutes Zeichen! Schon skurril, auf dem Land kommen wir leichter unter als in der Stadt.
Es braucht den Regen um die Sonne zu schaetzen
Juli 15th, 2008 · No Comments
Tags: Allgemein
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