Wir verliessen unseren Fussballplatz und genossen die Weiterfahrt auf einem einsamen Straesschen durch die Livradois Berge. Nachdem wir uns gestern schon so fleissig nach oben gearbeitet hatten, hatten wir es heute schoen einfach flach, spaeter ging es dann variantenreich bergab. Sanft schlaengelte sich die Strasse an beneidenswert huebschen Haeuschen bergab mit den unzaehligen Vulkanen von Clermont-Ferand im Hintergrund. Dieser traumhafte Zustand wurde dann jaeh unterbrochen. Unsere Oberschenkel waren zart entspannt und auf Abfahrt eingestellt, als die Strasse dann gnadenlos in sengender Hitze bergan zog. Unsere Wasservorraete waren knapp, die Kehlen trocken, Juri und Lenya taten das, was wir auch einfach gern gemacht haetten: sie schrien.
Wir rissen uns zusammen, bauten den Sonnenschutz so gut es ging, und rollten bald wieder bergab, was Abkuehlung und Freude machte.
Unvermittelt fanden wir uns in Jumenaux auf einem Jahrmarkt und es dauert nicht lange bis ueber die Lautsprecher unser Zurich-Bordeaux Vorhaben verkuendet wurde. Juri bekam eine Waffel geschenkt, wir auvergnische aufbereitetes Fleisch, und Juris weites Lachen wollte auch nach der Vierten Karusselfahrt noch nicht schwinden.
Wir bezogen ein ruhiges Nachtlager und waren froh, dass wir im Zelt und die Stechmuecken vor dem Zelt waren.
Am naechsten Morgen schliefen wir gut und lang. Nach kurzem Auffuellen unserer Vorraete in Lempdes fuhren wir wieder auf einer Strasse, die allein fuer uns gebaut schien, durchs Alagnon-Tal. Das Glueck war fast perfekt, doch hatten wir unser Wasser vergessen.
Eigentlich wollten wir in der alten Muehle Le Bateau nur noch Wasser fragen, doch als wir durch die Tuer spitzten trauten wir unseren Augen nicht: ein mit Liebe gepflegtes Kleinod greifbar fuer uns als Gite. Wir liessen es nicht bei unseren gefuellten Flaschen, sondern mieteten uns sofort ein. Hinter dem alten Gemaeuer verbarg sich ein paradiesischer Garten eingebettet in alte Muehleutensilien und schattenspendende Baeume. Juri hat Freude durch den alten Wasserlauf zu kriechen, auf Traktoren zu sitzen, und mit seinem Legobagger in Maulwurfhuegeln zu graben. Lenya sass auf einem alten Mahlstein Model. So verbrachten wir nach nur 6km Fahrt einen entspannten Tag. Im Zimmer fuehlten wir uns wie bei guten Bekannten untergebracht, so persoenlich und mit Liebe eingerichtet, wie wir es noch nicht gesehen haben. Dazu noch herzensnette Gastgeber, die geduldig aus meinen Franzoesischfetzen unterhaltsame Gespraeche sponnen. Schliesslich konnte ich noch eine 25000er Wanderkarte abfotografieren und damit eine Routenvariante fuer die Weiterfahrt ersinnen.
Nach einem riesigen kleinen Fruehstueck zogen wir unter Blitzgewitter der Fotoapparate los. Wir stoppten kurz in Blesle, ein schmuckes Bergdorf, in dem viele Haeuser zum Verkauf stehen.
Die Strasse wurde noch schmaeler und wir bogen auf einen Schotterweg ab, den ich am Display meiner Kamera auf der abfotografierten Landkarte verfolgen konnte. Nach einer Mittagspause auf Baumstaemmen wurde der Weg grobschottrige, lose und so steil wie wir es noch nie hatten. An Fahren war trotz meiner Maeusezahnuebersetzung 12:34 nicht mehr zu denken. Schieben konnte ich unseren Velozug alleine sowieso nicht. Anfangs half Juri noch etwas, doch bald war er muede und wollte auch noch in den Fahrradanhaenger. In 200 Meter Etappen stemmte ich mit Angela als Zwischenlokomotive den Lastzug nach oben. Angela musste dann immer wieder zurueck und ihr Rad holen. Insgesamt schienen die nur 3km lange Distanz auf die Weise endlos. Unglaublich wie die 20kg Juri, 10kg Lenya, 12 kg Kinderanhaenger, 10 kg Ladung, 7 kg Lastenanhaenger und 15 kg Last auf vielleicht 10 Prozent steiler Schotterpiste zerrten. Zudem war der Weg noch durch Radspuren zerfurcht, so dass wir, um die Raeder einigermassen sanft rollen lassen zu koennen, durch knoecheltiefen Schotter stampften und rutschten.
Schliesslich kam mir der erloesende Gedanke: flache Berg faehrt man einmal, steile einfach zweimal. Ich stand kurz vor dem Wolf-Schaf-Faehrmannprobem, doch die Loesung war einfach. Erst zog ich Juri und Lenya weiter nach oben. Waehrend Angela deren Schlaf bewachte raste ich nach unten, um den Lastenkarren zu holen, der dann schon vergleichsweise ein Leichtes war. Besonders half hierbei etwas Luftablassen aus den Reifen, so dass diese besser in den Schotter griffen.
Es war hart, aber es ging vorbei. Wir finden uns nun auf 1000m Hoehe und geniessen den undendlichen Ausblick auf das ausgefaltete Massif Central: man nehme die Zentralschweiz, ziehe kraeftig an allen Ecken und heraus kommen die sanftgeschwungenen fast unbewohnten Huegel des Cantal-Gebirges. Um die Vulkane zu sehen, muss man dann aber immer noch hierher fahren. Ein letzter Tee hat uns schon gewaermt und jetzt muessen wir uns in die Schlafsaecke vor der einsetzenden Kaelte verkriechen. Wir hoffen, dass die Morgensonne den Weg zu uns findet, wir haben uns extra schoen oestlich exponiert.
Flache einmal, steile Berge zweimal
Juli 22nd, 2008 · No Comments
Tags: Allgemein
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