Wir blieben insgesamt drei Tage an unserem Platz bei Petit Nice. Es war schon irgendwie grotesk, die Blechlawine morgens und abends in Bewegung und die Massen am Strand sich tuermen zu sehen, aber wir nur wenige 100m abseits hatten immer unsere Ruhe. Wie in einem Bilderbuch von Ali Mitgutsch hatten wir fast einen externen Beobachterposten, sahen die Beachboys ihren Bademeister Turm auf und abbauen, erkannten die Gewohnheiten einiger markanter Badegaeste, wie z.B. der von Angela benannte Picasso, der jeden Tag zurgleichen Zeit kam, sich grillte und dann wieder ging. Es war witzig, drei Tage am gleichen Ort waren wir noch nie. Doch so schoen es auch war, wir haben uns so sehr an den steten Wechsel gewohnt, dass uns einzelne Orte nicht mehr genug geben konnten.
Zwischenzeitlich ist nun noch meine Schwester Cornelia angereist, so dass wir nun zu fuenft eine voellig neue Phase des Urlaubs erfahren koennen, das “cruisen” ohne festes Ziel. Ich empfing sie mit Lenya am Bahnhof von La Teste, von wo aus wir zuerstmal einen Fussmarsch zum Outdoor-Discounter Decathlon unternahmen. Da man ihr bei der Deutschen Bahn keine zumutbare Zugverbindung mit Fahrradtransport ermitteln konnte, “allmaechd, also wenn i mir des so oschau, also ich deds mer net zutraun”, meinte die Schalterfrau, gingen wir nun einkaufen. Ein Fahrrad, ein Zelt und ein paar Kleinigkeiten. Die Qualitaet bei Decathlon ist mittelmaessig bis schlecht, aber brauchbar, die Preise sind mir ein Raetsel: 129€ fuer ein Fahrrad, 19€ fuer ein Zelt - da frag ich mich, warums auf der Welt Leute ohne Obdach geben muss.
Juri freute sich, dass er nun seine Wieso-Weshalb-Warum-Welterkundung mit Cornelia neu aufsetzen und ihre Antworten mit den unsrigen vergleichen kann: warum die Motoradfahrer Helme tragen, warum die Dinosaurier gestorben sind, ob sich die Lisa freut, wenn er so schnell treten kann. Ausserdem hat er von Cornelia eine echte Motoradbrille und noch einen Motoradfahrer zum Aufziehen bekommen, das Schicksal nimmt seinen Lauf. Lenya kann Cornelia neu anlachen und wir freuen uns ebenfalls auf weitere Unterhaltung und unterstuetzende Haende.
Wir fuhren etwas chaotisch nach Arcachon, eine schreckliche Fahrt, viel Verkehr, nervige Strassenfuehrung, schlechtes Wetter, ein Tag zum Streichen bis auf das Bootserlebnis. Es gibt diese Touristenboote ueber die Bucht und die nehmen auch Fahrraeder mit. Ich kaufte die Tickets und musste beim Blick der Kassiererin auf unsere “Konvoi Exceptionel” gleich fuer fuenf Fahrraeder loesen, meinetwegen. Wir rollten den schmalen Steg vor und sahen das Schiff nicht, weil es nur ein kleines Boot war, 49 Passagiere, dazu hatte noch beinahe jeder Pasagier ein Fahrrad und wir waren die letzten. Egal, der Kontrolleur entwerte unsere Tickets, ich wertete das als letzte Pruefung und wurde im Eifer fast von den beiden Anhaengern auf der steilen Rampe runter zum Boot,- es war Ebbe, ueberrollt. Gluecklicherweise erkannten der Kontrolleur oben und der Kapitaen unten die Situation schnell und konnten mich vor meinem unheilvollen Schicksal bewahren. Jeder Griff sass. Angela, die von Beginn an kopfschuettelnd umdrehen wollte, hatte ihr und Juris Rad, der Kapitaen wusste die geeignete Plaetze fuer unsere Gefaehrtkolosse und ueber das Schiff raunte anerkennend “de Zurich, de Zurich…”. Unglaublich, das Boot fuhr mit uns all unserem Hab und Gut los, besonders Juri strahlte ueber beide Ohren. Bald sahen wir die gigantische Duene von Pilat, die wir Stunden zuvor noch bestiegen hatten.
Am Cap Ferret waren wir dann Blickfang aller Touristen, die sich durchs Hafenbecken schoben. Nach einer unnoetigen Fahrt auf befahrener Strasse gelangten wir endlich auf den, zu unserem Erstaunen ebenfals ueberaus stark befahrenen Radweg. Stelltenweise gab es Radlerstau,viele Velos beladen mit Surfbrettern und Bodyboards.
Die Radwege sind fuer das Verkehrsaufkommen eigentlich zu schmal, insgesamt sind sie aber fantastisch wie sie sich durch die Pinienwaelder ziehen. Nach langsamer Fahrt, wir sind ja jetzt beim Cruisen und Juri radelt groesstenteils selbst, und zwei Uebernachtungen an Strandparkplaetzen sind wir heute am Lac Lacanau angekommen. Nach den riesigen Wellen vom Meer war uns nach Abwechslung von einem Suesswassersee. Leider ist es im Moment nicht ganz so heiss wie wir es uns wuenschen. Heute Nacht verbringen wir nach den Parkplaetzen, die Wohnmobile herzlich empfangen, Zelte aber zum Schutze der Umwelt verbieten (aber gluecklichweise kontrolliert niemand), wieder in freier Natur im Pinienwald, wo die Grillen zirpen, die Voegel zwitschern und die Sterne hell und klar leuchten.
Mit Sack und Pack ueber die Bucht von Arcachon
August 10th, 2008 · No Comments
Tags: Allgemein
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