Soll ich treten oder nicht

Die ganze Familie (Angela 30, Florian 33, Juri 4, Lenya 8 Monate) mit dem Velo unterwegs von Zurich zum franz. Atlantik

Mit Vollgas durchs Mittelland

Juli 3rd, 2008 · No Comments

Es war eine Irrehitze, schon am Morgen. Wir verbrachten gleich eine lange Pause nach wenigen Kilometern an einem Spielplatz. Dann jonglierten wir unseren Konvoi durch geschmacklose Neureichensiedlungen hinunter nach Bremgarten wo wir ein schoenes Mittagsplaetzchen an der Reuss fanden. Juri stand bald die ganze Zeit in einem Trinkbrunnen, die Hauptattraktion war es aber dann diesen mit einem Schlauchstueck mit Unterdruck leer zu saugen. Wir umfuhren einige Huegel bis wir dann nach Seengen zum Hallwilersee gelangten.
Ein fantastischer Schlafplatz an einer Badi an der Aa liess uns den Tag beschliessen. Mitten in der Nacht wurden auf einmal aus dem Schlaf von lautem Stimmengewirr gerissen. Nachdem sich alle Anwesenden sich ueber unser Nachtlager - wir zogen den grossen Unterstand dem Zelt vor - in ihrem Scheinwerferlicht belustigt hatten, feierten sie unter lautem Geschrei den letzten Schultag - gegen 1h war der Spuk dann endlich vorbei. Wir muessen noch klarer verinnerlichen:an schoenen leicht zugaenglichen Plaetzen finden auch andere Gefallen.
Wir zogen los gegen und unterzogen uns einer ersten Pruefung: ein Dreizack. Damit bezeichnet die Veloland Schweiz Karte SEHR steile Steigungen. Zu allem Ueberdruss fuehlten sich Juri und Lenya beide so muede, dass ich mit Gepaeck und ihnen wohl an die 60kg auf der Zugstange hatte. Es war hart. Immer wieder drohte mein Vorderrad den Kontakt zum Boden verlieren, die einseitige Aufhaengung des Anhaengers an der Hinterradnabe versuchte mich immer wieder aus dem Gleichgewicht werfen. Aber ich wollte es schaffen, schieben haette ich die Last erdt recht koennen. Nach 100 Hoehenmetern Qual war ich stolz und forderte meine Scheibenbremsen auf der Abfahrt heraus. Auf traumhaften Radwegen rollten wir nach Aarau, das bei ueber 30 Grad bald dahin schmolz.
Ein Radhaendler nahm sich Angelas Hinterrad an, das trotz meiner mehrmaligen Bemuehungen immer wieder zu einem Seitenschlag fand. Viel aufwaender war dann aber der Wechsel des abgefahrenen Kettenblattes. Sinnigerweise ist bei Fahrraedern nix genormt, was Murphy erlaubt, gnadenlos zu zuschlagen: des Haendlers Kettenblatt passte nicht auf die Kurbel, des Haendlers Kurbel schleifte am Rahmen. Also musste noch ein neues Tretlager her, dann ging es und 2h bangen Wartens waren verstrichen. Fuer Juri war der Einblick in die Werkstatt derweil ein Freudenfest.
Trotz meiner Bergpruefung entschieden wir uns fuer den Aareweg statt des Juras - machen wir spaeter mal, jetzt wollen wir ja erst ans Meer.
Langweilig finden wir alle so Flussfahrten, haesslich ist es in der Gegend um Olten obendrein. Aus verschiedensten Flurwegen, Schotterwegen, Nebenstrassen wurde die immerhin gut beschilderte Velonationalroute zusammengeflickt. Endlich in Olten ueberaschte uns ein netter Stadtkern, gerade richtig fuer eine Eispause.
Wir bewegten uns nun etwas unsicherer im Strassenverkehr, nachdem uns der Radhaendler auf unseren Strassenverkehrsrechtsverstoss aufmerksam gemacht hat: zwei Anhaenger hintereinander gat noed. Da wollen wir mal weiterhin hoffen, das andere Verbrechen mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen…
Nach einer endlich wieder ruhigen und idealen Nacht weckt uns ein kuehlerer Morgen. Wir fahren in leichtem Niesel los. Nicht so schoen, aber nach der Hitze gut ertraeglich. Schnell gleiten wir durchs flache Gelaende, durchstreifen Solothurn und finden uns an einem geschuetzten Fleckchen an der Aare wieder. Fast perfekt, nur etwas waermer koennte es auf einmal sein. Lenya genoss die Fahrt imm Sitz hinter Mamas Lenker, Juri nahm die meiste Zeit auf seinem Velo Platz.

Tags: Allgemein

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